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Scrum-Rollen - Product Owner

Immer, wenn Software entwickelt wird - egal ob im Kundenprojekt oder für ein Standardprodukt - gibt es einen Auftraggeber, der die fachliche Sicht vertritt, Anforderungen stellt und die spätere Umsetzung seiner Wünsche im Hinblick auf Funktionalität, Benutzbarkeit (Usability), Performanz und Qualität beurteilt. In Scrum ist das der Product Owner.

Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Product Owners

  • Pflege des Product Backlogs
  • vertritt die fachliche Auftraggeberseite und somit sämtliche Stakeholders
  • priorisiert die Product Backlog Items so, daß der Business Value des Produkts maximal wird und die Möglichkeit früher Releases von Kernfunktionalität besteht, um einen schnellen Return on Investment zu erreichen
  • wohnt nach Möglichkeit den Daily Scrums bei, um sich (passiv) zu informieren
  • steht für Rückfragen des Teams bereit

Manchmal wird der Product Owner im Jargon auch scherzhaft als SCN (single chokable neck) bezeichnet, um klar (und überhaupt nicht scherzhaft) herauszustellen: Er trägt die Verantwortung dafür, daß die richtigen Anforderungen im Product Backlog stehen und daß sie in einer sinnvollen Reihenfolge abgearbeitet werden. Dadurch hat er maßgeblichen Einfluß auf das Arbeitsergebnis und ist, so gesehen, wirklich die eine Person, deren "Hals gewürgt wird", wenn das Team - gemäß Vorgabe - Mist produziert.

Was der Product Owner NICHT tut

  • Rolle des Chefs für das Team übernehmen
  • Daily Scrums moderieren oder ungefragt dort reden
  • Während des Sprints den Sprint Backlog beeinflussen (Zusatzanforderungen, Streichung von Aufgaben etc.)
  • im Projekt als Team Member (z.B. Entwickler, Software-Architekt) mitarbeiten (? Interessenkonflikt!)
  • versuchen, gleichzeitig den ScrumMaster zu mimen (? Interessenkonflikt!)
  • seine Aufgabe nur zu Beginn und am Ende der Sprints wahrnehmen

Muß der Product Owner ein Manager oder Vorgesetzter sein?

Wer so viel Verantwortung trägt, muß doch mindestens Abteilungsleiter oder gar Vorstand sein. Es wäre auch praktisch, wenn das Projekt-Team ihm direkt disziplinarisch unterstellt wäre, damit er besser seine Anweisungen geben kann.

Richtig? Falsch! Der Product Owner darf ein Manager sein, aber notwendig ist das nicht, sofern er in der Lage ist, die Auftraggeberseite fachlich kompetent zu vertreten und das Product Backlog so zu gestalten, daß das Team daraus die Funktionalität machen kann, welche dem Auftrag gerecht wird. Manchmal ist es sogar hinderlich, wenn die Team Members einen Vorgesetzten als Product Owner haben, weil sie sich dadurch in ihren Kompetenzen eingeschränkt fühlen könnten. Wie auch immer: Im Scrum-Projekt erteilt der Product Owner dem Team keine direkten Anweisungen - sonst greift der ScrumMaster ein.

 

Wußten Sie schon, ...?

Manche Leute verwechseln Scrum und Extreme Programming (XP) oder denken zumindest, man müßte Scrum-Projekte beispielsweise mit Pair Programming und Test Driven Development umsetzen. Dem ist nicht so: Scrum setzt kein XP in der Entwicklung voraus, beide sind völlig unabhängig voneinander.
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